September 2026

Wie Claude KI-Texte erkennen kann

Claude schaut sich nicht nur den Schreibstil an und entscheidet dann, ob ein Text „nach KI klingt“. Stattdessen wird ein unsichtbares Wasserzeichen im Text eingebaut. Für dich als Leser bleibt dieses Muster unsichtbar.

Für mich ist es schwer verständlich, wie auf Basis von Wörtern ein Muster entstehen kann, das als KI-generiert erkannt wird. Ohne dass dabei seltsame Wörter im Textzusammenhang auftauchen.

Die Website von ➥ declaude erklärt das Verfahren gut. Ich habe das zum Anlass genommen, es etwas verständlicher und einfacher zu beschreiben.

Wie entsteht dieses Wasserzeichen?


Wenn Claude einen Text schreibt, entscheidet die KI nicht einfach Wort für Wort nach einem festen Plan. Für das nächste Wort gibt es meist mehrere Möglichkeiten. Manche Wörter passen besser, andere etwas schlechter. Die KI berechnet dafür Wahrscheinlichkeiten und entscheidet anschließend, welches Wort verwendet wird.

Genau hier kann das Wasserzeichen eingebaut werden.

Vereinfacht gesagt werden die möglichen Wörter in zwei Gruppen aufgeteilt: grüne und rote Wörter.

Welche Wörter zu welcher Gruppe gehören, wird mit einem geheimen mathematischen Schlüssel berechnet. Dabei spielt auch eine Rolle, welche Wörter direkt vorher im Text stehen.

Die KI bevorzugt anschließend die grünen Wörter ein klein wenig mehr. Aber wirklich nur ein wenig. Sie kann weiterhin auch rote Wörter auswählen. Dadurch soll der Text ganz normal klingen. Für den Leser ist das Wasserzeichen nicht erkennbar.

Schaubild Claude Wasserzeichen Funktionsweise

Bei der Überprüfung wird der Text erneut mathematisch untersucht.

Mit dem geheimen Schlüssel lässt sich berechnen, welche Wörter im Text grün und welche rot waren. Anschließend wird gezählt. Bei einem normalen Text wäre ungefähr eine zufällige Verteilung zu erwarten. Also etwa 50 Prozent grüne und 50 Prozent rote Wörter.

Bei dem so markierten KI-Text tauchen dagegen mehr grüne Wörter auf. Ist der Unterschied groß genug, spricht das dafür, dass der Text das Wasserzeichen enthält.

Das ist etwas anderes als ein normaler KI-Detektor


Ob der Text von einer KI stammt, versuchen viele KI-Detektoren anhand des fertigen Textes zu erkennen. Sie suchen zum Beispiel nach bestimmten sprachlichen Mustern. Eine Übersicht über die bisherige KI-Texterkennung findest du in meinem Artikel Kann man KI-Texte sicher erkennen?

Das Wasserzeichen bei Claude funktioniert anders. Hier wird nicht geraten, ob ein Text nach KI klingt. Stattdessen wird nach einem Muster gesucht, das schon bei der Erstellung eingebaut wurde.

Das Verfahren kann deshalb genauer sein. Es hat aber auch eine klare Grenze. Es funktioniert nur bei Texten, die mit einem solchen Wasserzeichen erzeugt wurden.

Ein beliebiger KI-Text lässt sich damit (noch) nicht automatisch erkennen.

Was passiert, wenn ich den Text bearbeite?


Kleine Änderungen zerstören das Wasserzeichen nicht sofort.

Wenn du Tippfehler korrigierst, einzelne Sätze kürzt oder nur wenige Wörter veränderst, bleiben viele der ursprünglichen Wortfolgen erhalten. Das Wasserzeichen kann dann weiterhin nachweisbar sein.

Das Muster wird dadurch schwächer, kann aber bei längeren Texten trotzdem noch erkannt werden. In den vorliegenden Informationen wird als Beispiel eine Länge von ungefähr 600 Wörtern genannt.

Erst wenn ein Text weitgehend neu formuliert wird und kaum noch ursprüngliche Wortfolgen übrig bleiben, kann das Wasserzeichen verschwinden.

Warum funktioniert das bei Programmcode schlechter?


Das beschriebene Verfahren braucht Auswahlmöglichkeiten.

In einem normalen Satz gibt es oft mehrere Wörter, die gut passen würden. Bei Programmcode ist dieser Spielraum viel kleiner.

Programmiersprachen folgen festen Regeln. Oft gibt es nur wenige Möglichkeiten, wie eine Zeile korrekt weitergehen kann. Dadurch lässt sich ein Wasserzeichen wesentlich schlechter einbauen.

Ähnlich sieht es bei sehr kurzen Texten, direkten Zitaten oder reinen Faktensammlungen aus. Auch dort fehlt häufig der notwendige Spielraum. Oft auch genügend Text für eine zuverlässige statistische Auswertung.

Text Icon
Kurz erklärt

Claude erkennt einen markierten KI-Text also nicht daran, dass er besonders glatt oder typisch nach KI klingt.

Stattdessen kann bereits beim Schreiben ein unsichtbares statistisches Muster eingebaut werden. Später lässt sich dieses Muster mit dem passenden Schlüssel überprüfen.

Für den Leser ist davon nichts zu sehen.

Mein Fazit


Mit der Überprüfung des Wasserzeichens ist aber noch nicht geklärt, wie viel des Textes von der KI stammt.

Vielleicht wurde ein ursprünglich von Claude erstellter Text umfangreich überarbeitet. Vielleicht wurde Claude nur zur Korrektur einzelner Formulierungen genutzt oder ein eigener Text wurde damit übersetzt. Trotzdem kann das Wasserzeichen erhalten bleiben und der Text bekommt am Ende den Stempel „KI-Text“.

Hier sehe ich die Grenze solcher Verfahren.

Die Erkennung kann einen technischen Hinweis darauf geben, dass Claude an einem Text beteiligt war. Sie sagt aber nicht automatisch, welchen Anteil die KI hatte und wie der Text entstanden ist.

Ob die Aussage „Dieser Text wurde von einer KI erstellt“ deshalb wirklich so aussagekräftig ist, wie man es sich von einer KI-Texterkennung erhofft, bleibt für mich fraglich.

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