Kreativität und künstliche Intelligenz
Kann künstliche Intelligenz kreativ sein? Oder dient sie lediglich als Werkzeug, das unsere menschliche Kreativität erweitert? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Vorab: Dies ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern aus meiner Sicht und basierend auf meiner Erfahrung mit KI im Alltag geschrieben. Ich hoffe, dieser Beitrag regt dich zum Nachdenken an und du kannst für dich beurteilen, ob und wann KI kreativ sein kann.
Was ist eigentlich Kreativität?
Hierzu gibt es keine eindeutige Definition. Ich möchte es so umschreiben: Kreativität ist die Fähigkeit, etwas Neues und Originelles zu schaffen. Es ist eine komplexe Fähigkeit, die von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Kreativität kann in vielen verschiedenen Bereichen zum Ausdruck kommen, wie Kunst, Musik, Literatur, Wissenschaft, Technologie und Problemlösung. Oft wird zwischen der Alltäglichen Kreativität und der Außergewöhnlichen Kreativität unterschieden.
Alltägliche Kreativität ist die Kunst, kreativ zu denken und zu handeln, auch wenn man gerade nichts Bahnbrechendes oder Spektakuläres macht. Es geht zum Beispiel darum, kleine Probleme kreativ zu lösen. Dafür brauchst du keine besonderen Talente; es ist eine Fähigkeit, die jeder in seinem Leben nutzen kann.
Außergewöhnliche Kreativität bezieht sich auf das Erschaffen von etwas Neuem oder Revolutionärem, das weitreichende Auswirkungen haben kann. Hier geht es um bahnbrechende Ideen, Erfindungen und Kunstwerke, die oft einen bleibenden Einfluss auf eine Branche, Kultur oder sogar die Menschheit als Ganzes haben. Diese Form der Kreativität wird oft mit Genialität oder hohem Talent assoziiert. Sie kann das Ergebnis jahrelanger Forschung, intensiver Arbeit oder eines plötzlichen kreativen Durchbruchs sein.
Kann die KI kreativ sein?
Nachfolgend möchte ich einige wichtige Merkmale von Kreativität untersuchen und schauen, ob die KI das leisten kann. Dabei beschränke ich mich erst einmal auf die alltägliche Kreativität.
Originalität
Kreatives Denken bringt oft Ideen und Konzepte hervor, die sich von gängigen und bisherigen Ansätzen unterscheiden. Die KI basiert auf Daten, die es bereits gibt. Wenn die KI originell sein soll, müsste sie etwas Neues aus den vorhandenen Daten erzeugen.
KI-Bilder und die Originalität:
Nehmen wir das Beispiel von KI-Bildern. Zum Generieren benötigst du zurzeit ein Bild und einen sogenannten Textprompt. Du gibst ein, was du sehen willst und die KI generiert dir die Bilder auf Basis der vorhandenen Datengrundlage. Ohne deinen Text oder deine Idee kann nichts erzeugt werden. Auch die Möglichkeit von „Überrasche mich“ führt zu einem zufällig erstellten Prompt. Schauen wir uns ein Beispiel an:
Ich nehme einen einfachen Prompt, um zu schauen, ob das Ergebnis kreativ ist.
„Zitrone im surrealistischen Stil“.

Du siehst: Durch den Zusatz „surrealistischer Stil“ werden Bildfragmente hinzugefügt, die stark an Salvador Dalí erinnern. Das ist nicht besonders originell, sondern bereits in unzähligen surrealistischen Kunstwerken zu sehen. Bis hierhin ist die Bildgenerierung also noch nicht kreativ. Die Qualität ziemlich gut, finde ich.
Fügen wir nun dem Prompt weitere Informationen hinzu:
„Ein surrealistisches Bild einer Zitrone, die schwebt und deren Saft sich in goldene Vögel verwandelt, die in einen sternenklaren Himmel fliegen“.
Das Bild sieht natürlich anders aus und etwas außergewöhnlicher. Ich muss gestehen, dass ich den neuen Prompt durch eine andere KI erzeugt habe, nämlich durch ChatGPT. Du siehst, durch das Zusammenspiel dieser beiden KI-Werkzeuge ist so etwas wie ein originelles Bild entstanden.

Mein Fazit: Ohne die kreativen Ideen wäre das Bild lediglich eine Kopie bestehender Bildfragmente gewesen. Erst durch kreative Ergänzungen im Prompt durch den Menschen entstehen kreative KI-Bilder.
In meinem Fall habe ich ChatGPT genutzt. Andere KI-Bildgeneratoren wie „Nano Banana” von Google erzeugen mit Sicherheit anders aussehende KI-Bilder.
Flexibilität
Kreative Menschen können oft ihre Denkweise wechseln und verschiedene Perspektiven und Ansätze bei der Lösung eines Problems betrachten. Das bedeutet, dass über den Tellerrand hinausgeschaut wird und man nicht auf den ersten offensichtlichen Lösungsweg beschränkt ist. Dies ermöglicht innovative und kreative Lösungen. Mal sehen, ob das die KI auch kann. Diesmal versuche ich es mit ChatGPT und einem Text bzw. einer Analyse.

Aufgabe ist, herauszufinden, warum der Umsatz bei Orangen stark zurückgegangen ist. ChatGPT stellt allerlei Fragen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Zum Beispiel Fragen zur Lieferkette, der Konkurrenz, Externer Ereignisse, Kommunikation und noch vieles mehr.
Wenn dich interessiert, wie die Hinweise aussehen, und wie meine Prompts, kannst du das hier nachlesen.
Betrachten wir die oben beschriebenen Punkte zur Flexibilität an und vergleichen sie mit den Antworten der künstlichen Intelligenz.
Denkweise wechseln: Das kann der Chatbot nicht so gut. Die Lösungssuche basiert immer auf einem Prompt und die trainierte Datengrundlage. Die Denkweise wechselt nicht. Du hast natürlich die Möglichkeit, durch eine entsprechende Anweisung oder Frage, die Perspektive zu ändern. Von allein wird ChatGPT das nicht tun. In unserem Beispiel könnten wir von der Seite der Verbraucher aus schauen und die Frage stellen: Was mögen Verbraucher an der Orange und wann würden sie diese gerne kaufen?
Verschiedene Perspektiven: Ich denke, dass ChatGPT hier einige unterschiedliche Perspektiven genutzt hat. Die Fragen des Chatbots beziehen sich dabei auf das Obst selbst, Nachrichten und Berichte, Feedbacks von Kunden, Werbung, Markt, Region und noch vieles mehr. Der Chatbot betrachtet das Problem also von verschiedenen Seiten.
Keine Beschränkung auf offensichtliche Lösungen: Auch hier sind die Fragen und Antworten gut und es werden nicht nur offensichtliche Lösungen präsentiert.
Der Kreativitätstest
Starten wir einen Test. Wir wollen herausfinden, wie kreativ die KI ist. Eine Möglichkeit ist der sogenannte „Alternative Used Test“ (übersetzt: "Alternative-Verwendungszwecke-Test"). Dabei handelt es sich um einen psychologischen Test, der entwickelt wurde, um die kreative Denkfähigkeit einer Person zu messen. Der Test wurde ursprünglich vom Psychologen J.P. Guilford im Jahr 1950 entwickelt und wird bis heute in der Forschung und in verschiedenen Anwendungsgebieten verwendet.
Funktionsweise:
Im Test werden den Teilnehmern alltägliche Gegenstände vorgestellt, wie eine Büroklammer oder ein Ziegelstein. Die Aufgabe besteht darin, so viele alternative Verwendungszwecke für diesen Gegenstand wie möglich innerhalb einer bestimmten Zeit zu finden. Die Qualität der Ideen wird dabei ebenso bewertet wie die Quantität, und es werden Punkte für Originalität, Vielfalt und Detailreichtum der Antworten vergeben.
Ergebnis des Tests
Ich nehme als Test einen Bleistift und frage ChatGPT nach alternativen Anwendungsmöglichkeiten. Ich gestehe, ich hätte auf die Schnelle nicht so viele Möglichkeiten gefunden.

Hier findest du die vollständige Auflistung.
Aus meiner Sicht hat ChatGPT den „Alternative Uses Test“ bestanden. Und inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Studien, die zeigen, dass Sprachmodelle bei solchen Kreativitätstests erstaunlich gut abschneiden.
Bereits ➥ eine Studie von Jennifer Haase und Paul Hanel aus dem Jahr 2023 kam zu dem Ergebnis, dass GPT-4 bei der Ideenfindung mit Menschen mithalten konnte. Neuere Untersuchungen bestätigen teilweise dieses Ergebnis.
Eine große Studie mit mehr als 9.000 Menschen zeigte 2025, dass Menschen im Durchschnitt leicht kreativer waren. Besonders auffällig war der Unterschied bei den besten Ergebnissen: Sehr kreative Menschen entwickelten häufiger außergewöhnliche Ideen als die Sprachmodelle.
Solche Tests bilden nur einen Teil der Kreativität ab. Eine ungewöhnliche Verwendung für einen Bleistift zu finden, ist etwas anderes, als eine wirklich neue Idee zu entwickeln, einen guten Roman zu schreiben oder ein Problem in seinem gesellschaftlichen Zusammenhang zu lösen.
Zusammenfassung und mein Fazit
Wenn ich mir die Ergebnisse anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass KI durchaus Potenzial in Bezug auf alltägliche Kreativität zeigt. Im Bereich der Originalität konnte sie, vor allem durch die Kombination verschiedener KI-Werkzeuge, neue Ideen generieren. Die Flexibilität der KI bei der Problemlösung ist zwar nicht mit der menschlichen Vielfältigkeit gleichzusetzen, dennoch hat die KI bewiesen, dass sie eine Vielzahl von Perspektiven einnehmen kann.
Trotz dieser positiven Anzeichen bleibt die KI ein Werkzeug, das von menschlichen Eingaben abhängig ist und in ihrer Denkweise nicht eigenständig wechselt. Ihr Fähigkeitsumfang ist stark von der Datengrundlage und den eingegebenen Prompts bestimmt. Die genannte Studie zeigt keine wesentlichen qualitativen Unterschiede in der Kreativität zwischen KI und Menschen. Ich würde sagen, dass KI die menschliche Kreativität nicht ersetzt, sondern vielmehr ergänzt und in bestimmten Kontexten sogar erweitert.
Was ist deine Meinung und Erfahrung? Ist die KI kreativ? Schreibe es in die Kommentare. Ich würde mich darüber freuen.
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